Ehemaliger Befehlshaber der US-Soldaten Europas beleuchtete die Bedrohung der Ostflanke der NATO

Mayen/Kürrenberg. Die abendliche Vortragsreihe, die das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr zusammen mit der Offiziergesellschaft Operative Kommunikation e.V. bisher halbjährlich in der Oberst-Hauschild-Kaserne in Mayen angeboten hat, fand nach Unterbrechung durch die Corona-Pandemie am 4. November ihre Fortsetzung. Rund 100 Teilnehmer aus dem militärischen Bereich und dem zivilen Umfeld der Garnison waren der Einladung zum Vortragsabend gefolgt. Und sie wurden vom hochrangigen Referenten, Generalleutnant a. D. Frederick Benjamin „Ben“ Hodges nicht enttäuscht. Der pensionierte Drei-Sterne-General war von November 2014 bis Dezember 2017 Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte für Europa und hat sich nach seiner Pensionierung dem Center for European Policy Analysis, einer US-amerikanischen Denkfabrik mit dem Schwerpunkt Sicherheitspolitik und Osteuropa angeschlossen. Daher war „die Ostflanke der NATO“ als Thema des Abends für ihn ein Sachgebiet, zu dem er freihändig referieren und die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer fesseln konnte.

In seinem gut 40-minütigen Vortrag warnte Hodges in gut verständlichem Englisch vor der zunehmenden Bedrohung Europas durch aggressiver werdende Politik Russlands und forderte mehr militärisches Engagement des Westens sowie eine intensivere Kooperation innerhalb der Nato. Insbesondere in der großräumigen und schnellen Verlegefähigkeit von Truppen und Material in Europa sieht er deutliche Schwächen und dringenden Korrekturbedarf. Dazu gehöre auch der Schutz der kritischen Infrastruktur vor der russischen Cyberbedrohung zum Beispiel in den wichtigen Häfen von Hamburg und Bremerhaven. Auch auf die Wichtigkeit des Tempos der Entscheidungsabläufe wies er hin. Die Abläufe vom Erkennen einer Bedrohung über die Entscheidung zum Handeln bis zum Zusammenführen der Kräfte müssen deutlich beschleunigt und regelmäßig eingeübt werden. Europa dürfe sich nicht von der Propaganda und den fake news aus Russland einlullen lassen, sondern müssen eine starke Säule der Abschreckung schaffen. Wobei Hodges betonte, dass Abschreckung mehr sei als Militär. Eine „resilient society“ sei erforderlich, die ihrem eigenen System vertraut und auch zu dessen Verteidigung bereit sei.

Seinen Blick ließ der prominente Gast auch auf die Lage außerhalb Europas schweifen. So ist Hodges sich beispielsweise sicher, dass der chinesische Präsident Xi Jinping innerhalb der nächsten fünf Jahre Taiwan in den Verbund Chinas zurückholen und dabei auch nicht vor einer militärischen Auseinandersetzung mit den USA zurückschrecken wird.

Nach der anschließenden Frage- und Antwortrunde und einem ausgiebigen Interview mit Radio Andernach bot Ex-General Ben Hodges den dann schon in den Heimräumen des Ebbi-Riedel-Hauses versammelten Offizieren und zivilen Gästen bei einem Drink noch reichlich Gelegenheit zu weiteren Diskussionen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.